Atemtherapie

 

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Dozentin: Irene Uhlig

 

© Irene Uhlig

   

Für alle medizinischen Berufsgruppen


Literatur:


Norbert Faller
Atem und Bewegung: Theorie und 111 Übungen
2. Auflage 2009, 260 S.
€ [D]: 39,95
ISBN 3-2110-9456-3


Erika Kemmann-Huber
Der bewußte zugelassene Atem: Theorie und Praxis der Atemlehre
1. Auflage 1999, 192 S.
€ [D]: 49,95
ISBN 3-4374-5276-2

 

Atemtherapie

 

 

Psychophysische Atemtherapie

Herkunft

Psychophysische Atemtherapie ist atemzentrierte Körper- und Bewegungsarbeit. Der Atem ist normalerweise unbewusst – wird im zentralen und vegetativen Nervensystem autonom gesteuert und ist willkürlich beeinflussbar; es bedarf jedoch keiner Atemtechnik. Die Methode, den unbewussten Atem erfahrbar zu machen geht auf Prof. Ilse Middendorf [21.09.1910-02.05.2009]  zurück und wurde durch ihre Schülerin Erika Kemman weiter entwickelt. Im bewusst zugelassenen Atem erleben wir uns ganzheitlich im Empfinden, Fühlen, Denken und Handeln. Diese Atemlehre beruht auf der Reformbewegung und  Entwicklung in Gymnastik und Ausdruckstanz, in der Atem- und Leibpädagogik des frühen 20. Jahrhunderts. Sie ist teilweise beeinflusst von asiatischen Bewegungskonzepten und Meditationspraktiken. Psychophysische Atemarbeit ist ein behutsamer und zugleich vitaler Übungsweg. Er führt zu mehr Bewusstheit über das eigene Leben, erleichtert persönliches Wachstum und Erweiterung des Bewusstseins.

 

Atem - Brücke zwischen Körper und Geist

Der Atem ist die Quelle der strömenden Lebensenergie. Wir empfinden sie im Körper in der Bewusstheit eines Kraftzentrums im Unterbauch. Die am Atemvorgang direkt und indirekt beteiligte Muskulatur steht in Verbindung zu den Wachheitszentren im Gehirn [ARAS - Aufsteigendes reticuläres System]. Sie gewährleistet über die Nervenbahnen die Informationsweitergabe aus dem Körper und bedingt unseren Wachheitszustand zugunsten höherer kortikaler Funktionen. Indem wir uns in der Ruhe auf den Atem sammeln und uns achtsam bewegen empfinden wir unseren inneren psychophysischen Spannungszustand [Somatic Experience], nehmen die Verbindung zwischen Atem und Gefühlen wahr. Wir erleben den Atem weit über die körperliche Begrenztheit hinaus. In der Sammlung auf den Atem sind wir geistig anwesend, die Körperspannung in Ruhe und Bewegung wird aus unserer Geisteshaltung heraus beeinflusst. So sind unsere Gefühle Ausdruck unseres Denkens und Handelns. Sie zeigen sich in den Emotionen, die aus dem psychophysischen Zustand resultieren. Bestenfalls befinden wir uns in einem ausgeglichenen Zustand des Seins [Eutonie] in Zeit und Raum. Es atmet uns.

 

Wirkung

Psychophysische Atemtherapie bedeutet Hinwendung zum eigenen Atem, den Prozeß wahrzunehmen ohne einzugreifen. Das erwünschte Ziel ist, im Atem zu sein.

Körperliche Blockierungen, Nervosität, Stress, Schmerzen oder Angst stellen sich als Einengung im Atemraum dar. Diese Beeinträchtigung des Atemtonus führt zu Schwäche oder Verkrampfung, Fehlhaltung und schließlich zu Störungen des psychophysischen Gleichgewichts. Der Atem ist unmittelbar an der Entstehung psychosomatischer Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates, des Magen-Darm-Kanals, des Herz-Kreislauf-Systems, des Nerven- und Hormonsystems beteiligt.

 

Auch Neurosen oder Erlebnisse aus der Vergangenheit [Traumata], die im Körper gespeichert sind zeigen sich im Atemgeschehen in Verbindung mit der Körperspannung, einem Atemmuster, welches sich verfestigt haben kann. Werden wir im Atemgeschehen unseres Selbst bewusst, werden diese Blockaden allmählich aufgelöst und das Herz als Ort des Gefühls öffnet sich. Es ist die Hingabe an den Atem, die uns in der Urkraft der Atembewegung durchlässig und schwingungsfähig zwischen Innen- und Außenwelt werden lässt.

 

Bewusst gewordene Atembewegung - Körperempfindung, Beweglichkeit der Gelenke, Atemraum und-rhythmus - verändert langfristig die Körperspannung und setzt die Lebensenergie frei. Tiefenentspannung stellt sich ein. Wandlung wird möglich. Unsere

Ressourcen im Atem, die Selbstheilungskräfte werden geweckt [Salutogenese]. Diese Atemtherapie wirkt darüber hinaus auf das neurophysiologische System im zwischenmenschlichen Hinwendungs- und Kontaktverhalten, fördert Empathie und bereichert uns in der Fähigkeit zu lieben.

 

Übungsweise

In dehnenden, atemanregenden Bewegungen wird die Bewusstheit für den gesamten Körper in Haltung und Bewegung geweckt. Achtsamkeit beim Üben fließender und kraftvoller Bewegungsabläufe im Sitzen und Stehen sowie in der Ruhe – auch im Liegen – lassen unseren Atemraum und -rhythmus erfahrbar werden. Spürsames Anlegen der Hände unterstützt uns darin, empfindsamer zu werden, den Atemraum zu öffnen und uns in der Tiefe zu erleben. Die Berührung wird auch in Partnerübungen erfahren und ausgetauscht. Zur Vertiefung der Wahrnehmung des Atems und dessen Resonanzraum im Körper üben wir mit der Stimme indem wir Vokale tönen und Silben sprechen.

 




Thema: Dehnen – Bewegen – Atmen





Thema: Sammeln – Empfinden – Atmen

 

Inhalt des Grund- und Aufbaukurses I


  • Körperhaltung – Bewegungsfluss – Koordination - Gleichgewicht
  • Atemräume – Innen- und Außenraum
  • Rhythmus
  • Atemrichtungen
  • Einatemspannung – Zentrierung – Ausatemspannung
  • Atemwelle und Spiraldynamik
  • Atem – Tonus – Ton
  • Innerer Atem und Kraftzentren
  • Dynamik der eigenen Persönlichkeit



Anmerkung

Die psychophysische Atemarbeit ist ein Prozeß der Selbsterfahrung und lässt sich daher nicht entsprechend der traditionellen Atemtherapie und anderer physiotherapeutischer Behandlungsansätze zertifizieren. Sie bietet eine wertvolle Ergänzung zur Physio- und Psychotherapie und ist daher für Menschen in helfenden Berufen eine eindrucksvolle Erfahrung auch im Umgang mit der eigenen Kraft. Es empfiehlt sich, einzelne Kurse zu wiederholen zugunsten der Vertiefung. Erfahrungsgemäß entsteht im Austausch mit anderen Kursteilnehmern Bereicherung und Differenzierung in der Eigenwahrnehmung. Der Status „fortgeschritten“ zu sein, relativiert sich je mehr Erfahrung ich habe.






Thema: Atem – Tonus – Vokalraum

Atem und Stimmentfaltung

 

Psychophysische Atemtherapie


Empfindungsfähigkeit für den Spannungszustand im Orofazialen Trakt, Kiefergelenk, Zungengrund und Kehlkopfbereich wird in diesem Kurs geweckt. Es besteht ein enger Zusammenhang dieses feinmotorischen Zusammenspiels mit der autochthonen Haltungs- und Atemhilfsmuskulatur im Bereich der Halswirbelsäule, Brustkorb und der gesamten Wirbelsäule bis hinunter zur Becken-Kreuzbeinregion [myofasziale Ketten]. Wir lassen uns diesen über den Atemweg bewußt werden. Lösung bewirkt Schwingungsfähigkeit und mühelose Aufrichtung der Wirbelsäule, Tonisierung des Zwerchfells und des Beckenbodens. Die Ausgewogenheit unseres Spannungshintergrundes beeinflusst indirekt die inneren Organe, Kreislauf- und Hormonsystem und verbessert die Kraft und den Ausdruck der Stimme.

 

Die Stimme ist Ausdruck unseres leiblichen Wohlbehagens; wir werden durch das Kontemplieren und Tönen von Vokalen den Atemraum öffnen und dem inneren Klang lauschen. Mittels der Konsonanten lassen sich Atemimpulse hervorlocken; die natürliche Atemspannung und der Klang der Töne wird verstärkt. Atem- und Stimmarbeit trägt dazu bei, daß das Sprechen uns nicht erschöpft, Spaß macht, uns von innen anregt  und lebendig macht.

 

In diesem Kurs finden Sie wertvolle Anregungen für sich selbst sowie für die Arbeit an Patienten mit unterschiedlichen Problemen, die immer auch die Stimme beeinträchtigen.

 

Kursinhalt

  • Wahrnehmungs- und Empfindungsfähigkeit in Verbindung mit der Atembewegung in Gesicht, Mundhöhle, Kehle, Kiefergelenk und Halswirbelsäule
  • Atembewegung und Schwingungsfähigkeit der Wirbelsäule, Zwerchfell und Beckenboden
  • Atemtonus und Stimmentfaltung
  • Obertöne
  • Atemraum und innerer Klang

 

Voraussetzung zur Teilnahme:

Einführungskurs in die Atemarbeit nach Prof. Middendorf




 

Psychophysische Atemtherapie

 

Sein im Atem, der ich bin“

Atemraum und –rhythmus


Es gibt viele Wege, die wir im privaten und öffentlichen Leben gehen können – der Atem ist immer dabei. Er ist die Brücke zwischen Körper und Geist  im Zentrum des Menschen und das Bindeglied zwischen den Menschen. Er macht das aus, was der Mensch ist: sein Gefühl [Emotionen] und seine Gedanken. Wir könnten ihm mehr Aufmerksamkeit schenken.

 

Achtsamkeit auf den Atem-Körper vertieft das Empfindungsbewusstsein. Hingabe an den Atem, Durchlässigkeit der Gelenke, des Bindegewebes und der Organe sowie Schwingungsfähigkeit in den Körperwänden lässt den Atemraum in seiner Weite und Verdichtung [Substanz] erfahrbar werden. Der Atem in der Meditation [Gedankenstille] und Seins Erfahrung [Mittenzustand] wird zum Thema je mehr wir uns dem Atem zuwenden. Ruhe und lebendig pulsierendes inneres Strömen [Lebensenergie] zu erleben, vermittelt außerordentliches Wohlbehagen und Glücksgefühl.

 

Anwesend-Sein, Wahrnehmen und Empfinden lässt das Bewusstsein für den Atem und seinen seelischen Ausdruck anwachsen. Auch in schwierigen Situationen wenn der Atem „verloren“ zu gehen scheint sind im Körperbewusstsein Spuren der Erinnerung an die Empfindung von innerer Weite und Durchlässigkeit  [Raum, Rhythmus und Atemwelle]. Akzeptanz des Zustands in dem wir uns befinden ist der Ausgangspunkt für weitere Entwicklung.

 

Kursinhalt:

  • Achtsamkeit und Hingabe an den Atem
  • Schwingungsfähigkeit in Bewegung und Ruhe
  • Atemraum und Körperwände: Innen- und Außenraum
  • Widerstand und Kraftentfaltung
  • Rhythmus und Atemruhe
  • Dynamik der eigenen Persönlichkeit - Herzkraft
  • Kraft der Stimme und Innerer Klang
  • Freiwerden von emotionalen Blockaden und Denkmustern
  • Mittenzustand: Verschwinden von Emotionen und Gedanken

 

Dieser Kurs erfordert Erfahrung mit der Atemarbeit nach Middendorf in der Gruppe. Mindestens zwei Kurse werden vorausgesetzt, er richtet sich daher an die zahlreichen KollegInnen, die in den letzten Jahren an Kursen bei Fortbildung in Hamburg oder anderen Institutionen teilgenommen haben. Er ist ein  Angebot, die Atemarbeit für persönliche Entwicklung und berufliche Weiterbildung in den nächsten Jahren regelmäßig mit unterschiedlichen Schwerpunkten fortzusetzen; thematische Anliegen können eingebracht werden, sind erwünscht.    





Psychophysische Atemtherapie


Atem und Meditation


 

Sammlung auf den Atem lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Empfindung unseres Körpers. Meditare [lat.] bedeutet zur Mitte hingehen. Wir lassen uns sitzend nieder. Indem wir uns nicht mehr bewegen, die Augen schließen und schweigen minimieren wir äußere Reize. Wir verweilen bis uns die Stille erreicht - wir bei uns ankommen. Wenn uns fast nichts mehr aus dem Außenraum stimuliert werden wir aufmerksam auf den körpereigenen Stimulus, der mit dem Atem in Verbindung steht. Wir empfinden den Spannungszustand der Körperhaltung in der Atembewegung. Mit zunehmender Sammlung werden wir Unbewusstes im Atem entdecken, lassen unsere Gefühle und Emotionen durchscheinen. In der Wahrnehmung des Atems erleben wir mehr Bewusstheit über unseren psychophysischen Zustand – unsere geistige Grundhaltung. Gewahrsein im Atem wird erfahrbar.

 

Sich des Atems bewusst zu werden ist eine Möglichkeit, im gegenwärtigen Augenblick anzukommen.

Wenn ich im gegenwärtigen Augenblick verweile, weiß ich, daß dies ein wunderbarer Augenblick ist.

 

Thich Nhat Hanh

 

Dieser Kurs richtet sich an alle TeilnehmerInnen in den Atemkursen aus vergangenen Jahren im Fortbildungszentrum und andere Interessierte. Es bietet die Gelegenheit, sich achtsam in längeren Übungssequenzen dem Atem zuzuwenden und bewusstseinserweiternde Erfahrungen zu machen. Neugier ist die beste Voraussetzung und die Bereitschaft, sich in die Stille zu begeben. Bewegende Übungen und Gehmeditation werden zum Ausgleich angeboten.

Lassen Sie sich zur Meditation inspirieren. Bei einiger Übungserfahrung gelingt es, die Meditation in den Alltag zu integrieren.

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Irene Uhlig meditiert seit vielen Jahren und hat weitgehende Erfahrungen in der buddhistischen sowie daoistisch-buddhistischen Tradition.

 

 

Irene Uhlig, PT

Bobath-Therapeutin

Atem-Körpertherapeutin [Ausbildung am Ilse-Middendorf-Institut, Berlin, 1983-1992]
Qigong- und Taijiquan Lehrerin [WCTAG]

 

Weiterbildung:

  • Taiji Quan und QiGong seit 1984
  • Zertifikat in Integrativer Körper- und Bewegungs-Therapie am Institute for Educational Therapy, Berkeley, 1987
  • Shiatsu Grundausbildung 1995
  • Supervision in Gestalttherapie und Bioenergetischer Analyse
  • Sressbewältigung und Achtsamkeitspraxis seit 2012

 

Sie gibt atemtherapeutische Einzelstunden, unterrichtet in wöchentlichen Gruppen und Wochenendseminaren. An zahlreichen Fort- und Weiterbildungsinstitutionen für Gesundheits- und Sozialberufe hat sie bundesweit Lehraufträge.

www.qigong-atem.de

 

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